2 Idioten in Toyoten

Zwei Idioten in Toyoten

Eine europäische Tragödie in vier Akten

Prolog

Mittlerweile sind wieder drei Wochen vergangen. Drei Wochen nach den lebensverändernden Ereignissen, die sich an dem von mir beschriebenen 2,855643 Tagen abspielten. Bevor wir den Höhepunkt an monumentalem Wahnsinn erreichen, würde ich vorschlagen, wir beginnen ganz vorne.

Wie ihr, und auch ich, wisst und es uns auch all die großen Männer in der Geschichte der Evolution vorgemacht haben, sei es die Erfindung des Rades, der Atombombe, oder der Lufterfrischer für Staubsaugerbeutel, stehen an allem Anfang ein Mann und eine Idee. In der heutigen Episode meines kleinen, aber feinen automobilen Theaterstückes, bin dieser besagte Mann ich. Ich schreibe sehr, sehr ungern über mich selbst, aber in diesem Fall kann ich die Schuld leider keinem anderen in die Schuhe schieben. Ihr erinnert euch an meine Celica? Mit Sicherheit. Vor einigen Wochen, gefangen in meinem täglichen Einerlei aus Arbeit, Schlafen usw, übermannte mich immer mehr das Gefühl, das meine kleine, hübsche Celica langsam aber sicher nicht mehr den Ansprüchen genügt, die sich ein Mann von Welt ( das bin ich ) von seinem Auto erhofft. Ja sie ist alt geworden die Celica, die Weh-Wehchen werden immer mehr, Rheumatabletten braucht sie auch so langsam, und so brodelte es immer mehr in dem Areal in meinem Kopf, das für Autos und Unsinn zuständig ist. Was so nebenbei bemerkt 97% meiner Hirnkapazität ausmacht. Ich machte mir sehr, sehr lange Gedanken. Ich wollte mal was neues. Was Frisches. Etwas das viel, viel Spaß macht und trotzdem zum Daily taugt. Etwas, das alles hat und trotzdem erschwinglich ist, auch wenn es nicht unbedingt die mega Leistung bringt. (Nein nicht Daniela Katzenberger). Und irgendwann beim Kramen in besagtem Hirnareal, stieß ich wieder auf zwei Zahlen…. 8-6, Hachi-Roku. Die Zahlenkombination, die jedem gut gebildeten JDM Freak sofort ein Grinsen ins Gesicht und eine Gänsehaut auf die Eichel zaubert. Der Gedanke manifestierte sich immer mehr. Irgendwann setzte ich mal unseren Kamera Nerd Manu von der Idee in Kenntnis und wir grübelten zu zweit. Die Tage vergingen, die Sonne ging auf, die Sonne ging unter, unzählige Recherchen zu besagtem Kraftfahrzeug wurden unternommen. Was nach unvorstellbar langem Informationsfluss in zwei Gehirne dazu führte, dass dieses Auto, dieser neue, schöne Back to the Future Hachi roku, das unnötigste, unbrauchbarste, und sinnloseste Auto ist, das man sich überhaupt kaufen kann. Und da wir ( Manu mit einbegriffen) geistig auf dem Entwicklungstand eines 14-jährigen stehengeblieben sind, wussten wir, so ein Gerät muss hier her………..

 

Akt 1

Sichten und Vernichten…… oder wie in unserem Fall:

Planen und Scheitern.

Der Entschluß war gefasst: Ein GT86 muss her. Ich möchte euch mit diesem Beitrag nicht erzählen, wie gut das Auto ist. Dazu wird es noch einen separaten Bericht geben. Nein, hier geht es nur um die Anstrengungen, die wir unternehmen mussten, um den Schrubber von der Insel hierher zu bekommen, nachdem all die großen Motorsportjournalisten wie Tim Schrick, und Mathias Malmedie in den höchsten Tönen vom GT86 schwärmten….. Ja sogar seiner Heiligkeit, dem Carfather himself, zauberte er ein Grinsen ins Gesicht wie einem dreijährigen am Weihnachtsmorgen….                                                                                                                                         (Quelle/BBC)

Ja seine Heiligkeit bezeichnete ihn mit einem Wort ……. Brilliant. Also ran auf die Insel.

Der Brexit rückt ja Tag für Tag und mit jedem Schritt näher. Ja, wenn ihr das hier lest, kann es sein, das der Untergang des Kingdom längst abgeschlossen wurde. Wir wussten, das wir uns beeilen mussten.

Ich hatte bald ein paar Tage frei, also hatten wir eine Deadline. Aber man kennt es ja, meistens kommt es anders, als man denkt. Zurück zum Thema: Unzählige Gebrauchtwagenbörsen des Vereinigten Königreiches wurden durchstöbert, und nach Stunden der Recherche und abwägen, was geht und was nicht, fiel die Wahl auf ein schönes 2013er Model in schwarz. Der Besitzer wurde kontaktiert und der Deal war schon beschlossene Sache, wäre da nicht Fortunas Faust, die wieder einmal zuschlug wie Rocky Balboa gegen Ivan Drago. Da der Provider der Website wohl gerade Urlaub in Pataya machte (wahrscheinlich um ein Paar Palmen zu schütteln, Hust), hatten wir massive Probleme mit dem E-mail Verkehr und nach ein paar Tagen und geschätzen 1000 E-mails, die den Verkäufer nicht erreichten, platzte dem netten Mann der Kragen und er verkaufte den Wagen an einen ortsansässigen Kommunalpolitker der grünen Partei …. Hust.

Und da war er: Der Schlag in die Fresse. Zwei Wochen Arbeit und Vorbereitung wieder im Arsch. Wieder alles auf Anfang, die Uhr tickte….. immer schneller. Es war wie immer bei uns wieder einmal 2 minutes to Midnight, und wir wieder am Boden zerstört. Aber aufrichtige Leser unseres Magazins wissen, dass man sich nicht sein Auto sucht…. nein, dein Auto sucht DICH.

Wir ließen uns nicht abbringen, sondern machten weiter…… und da war er.

Wie aus dem nichts. Er hatte alles, der Preis passte, die Farbe war, um es positiv zu formulieren, Geschmackssache. Aber naja, man kann nicht alles haben. Und er stand weit weg. Sehr weit weg. In den von britischen Satiremedien als inzestuös geprägten „Eastern Midlands“, um genau zu sein.

Egal, der oder keiner. Vorteil hier: Das Fahrzeug stand bei einem Händler, den wir sofort über seine E-mail erreichten. Der Plan war, dass wir Mittwochs nach UK überschiffen …. als ich dem Händler die erste Mail schrieb, war es Dienstag. Der Deal ging schnell über die Bühne, der Plan war gefasst….. er wird Orange…. Am besagtem Mittwoch wurde alles geregelt: Geld gewechselt, Fähre gebucht, Hotel gebucht, Grenzversicherung bestellt, Koffer gepackt usw.. Abfahren wollten wir nachts um 23 uhr…. wollten. Als wir all die anstehenden Dinge an diesem gottverfluchten Mittwoch erledigt hatten, war es 22 uhr ….. na dann. Irgendwas ist ja immer und so machten wir uns eine Stunde vorher als geplant und natürlich OHNE zu schlafen vom schönen Saarlouis aus auf den Weg ins geliebte Great Britian.

 

 

Akt 2

Eigentlich wollten wir noch nicht sterben –

aber jetzt gerade wäre es ok

Der Weg nach Calais verlief unspektakulär, Manu fuhr und war in seinem Element und die Celica tat trotz ihres hohen Alters ihren Dienst,und belgische Autobahnen sind für jeden Autoverrückten nachts eine Wonne. Ich kanns nur empfehlen.

 

Vier Stunden und zwei Paletten Energydrinks später trafen wir in Calais am Hafen ein. Der Check-in war locker; selbst der britische Zöllner war an diesem Morgen mehr daran interessiert, die neue Folge East enders zu schauen als uns zu fragen, ob wir Bargeld bei uns hatten 🙂 Als wir dann in Calais auf unseren Kutter warteten, habe ich mich erst mal eingeschifft und versuchte dann mal 20 Minuten zu schlafen, was natürlich wieder ins Wasser fiel, passend zum Wetter an dem Morgen. Da kam mir Genie vor Gottes Gnaden mal die Idee, zu schauen, was die Kiste an Unterhalt kostet. Geschaut, geweint und die Feststellung gemacht, dass jetzt Zurückfahren teurer ist, also rauf auf den Kahn.

 

Erstmal nen Kakao, ne Kippe auf Deck und sich in aller Ruhe Gottes Schöpfung betrachten. Ja, so eine Seefahrt hat was magisches, was beruhigendes, ja fast schon spirituelles. Der Moment, wenn die Sonne auf dem offenen Meer am Horizont aufgeht und man in Ruhe darüber sinniert, dass wir zwei nicht so sind wie andere Kinder. Wenn mann sich denkt:“Ich hätte auch einfach eine bei Toyota kaufen können als LHD und alles wäre gut.“ Nein, so sind wir nicht, wir sind anders. Der Moment, wenn du morgens auf der Fähre unter massivem Schlafmangel mit 20 Knoten nach England fährst, dann spürst du, dass du die Alternative gewählt hast.

 

Leider glich unsere Überfahrt an diesem Morgen aufgrund des wunderschönen Sturmtiefs welches dieser Tage über dem Kanal hing, eher einem britischen Rugby Spiel. Ich war froh, als endlich Land in Sicht war. Und der Kutter anlegte. Weiter gings im Linksverkehr. Manu machte mal Pause, jetzt war ich dran. Meine Abschiedstour mit der Celica, und ich liebe Linksverkehr. Aber Moment, da war noch was…. ach ja, Schlafen. Naja, schlafen können wir, wenn wir tot sind. Immerhin haben wir noch rund 600 Kilometer vor uns also ran ans Werk in Richtung Peterborough. Manu macht Bubu und ich erfreute mich an dem aufkommenden Sonnenschein der erhabenen Landschaft des Garden of England und meinem mir allmählich immer mehr auf den Zeiger gehenden Magnaflow Endschalldämpfer, der mich so langsam aber sicher geistig in ein Wrack verwandelte. Aber wir machten Strecke,

 

 

bis Dartford Crossing kam. Brücke-Themse-Maut. Naja, 2,50 Pfund sind kein Thema. Ich hielt Kleingeld bereit und wartete auf die Maustation, und ich wartete. Als wir zwei Stunden später den Stadtrand von Cambridge erreichten, machte ich mir langsam Sorgen, ob die Mautstation noch auftaucht, tat sie aber nicht. Den Blödsinn muss man vorher online bezahlen. Danke Mrs.May. Naja, auf den Strafzettel für Mautprellerei warte ich noch. Aber sowas fällt bei so einer Tour unter Kosten für höhere Gewalt und sollte von Anfang an großzügig einkalkuliert werden. An Cambridge waren wir vorbei und das Navi machte sich immer unbeliebter, als es mir erzählte, dass es noch eine Stunde bis zum Zielort dauerte. So langsam versagten auch unter dem exzessiven Schlafmangel, der bis dahin biblische Ausmaße annahm, unsere inneren Organe. Und beim Gedanken, dass wir nach dem Kauf bis Cambridge zurück mussten, da ich Irrer ja ein Hotel buchen musste, das sich zweier Staatsmänner wie uns als würdig erweisen würde, bekamen wir langsam aber sicher Brechreiz. Navi sagte 30 Minuten, wir hatten es fast und dann gings los: Midland Baustellen Rodeo. Ja, die Zeit vergeht langsam, je nachdem, auf welcher Seite des Klos man sitzt, doch die letzte Ausfahrt kam: Peterborough. Nette Stadt, viele Autohändler und…. Felder, unendliche Felder. Man fühlt sich wie in Holland in den Poldern. Hier hätte man in den 70er Jahren Italo-western drehen können. Ja ich spekulierte schon darauf, dass an der nächsten Kreuzung Terence Hill auf einem weißen Schimmel an mir vorbei reitet. Ich glaube auch, ihn gesehen zu haben, aber ich denke, daran war der Schlafentzug schuld.

Navi sagte zehn Minuten. Feld, Feld, Feld, danach ein Feld. Uns dämmerte langsam, warum der Händler sich auf Allradanwendungen spezialisiert hat und FourACRESofThorney heißt 🙂 Letzte Kreuzung links ab. Feld, Feld, Feld, Feld; HALT: Haus. Rein in die Einfahrt, und da stand er: Wahrhaftig ein orangefarbener 2014er Toyota GT 86

 

Akt 3

To be Continued……..

Vanessa empfing uns freundlich mit einem Lächeln im Gesicht, und das WAR ein Lächeln. Sie sah uns an, als hätten wir ihr einen Enkel geschenkt. Nach einer halben Ewigkeit fühlten wir uns, als wären wir in den letzten zwölf Stunden fünf Jahre gealtert. Es glich einem Wunder, mit einem Menschen zu reden. Wir inspizierten den GT86 und wir sahen, dass er gut war. Klar, auch er hatte Aua, aber alles im Rahmen; also auf zur Probefahrt. Nach 500 Metern im GT86 verstand ich den Gesichtsausdruck aus dem Bild oben im Beitrag, und endlich hatten wir das Gefühl, dass der Weg nicht umsonst war..

Packs mir ein, ich nehms als Geschenk mit, dachten wir uns. Vanessa bat uns herein, verköstigte das Manu mit einer Tasse feinsten britischen Tees, der Kaufvertrag wurde gemacht und ich war glücklich. Aber da uns der freundliche Mann aus der Zentralbank in Saarlouis das komplette Geld in 5 und 10 Pfund-scheinen auszahlte, wurde das Zählen zu einer Tortur für die arme Frau. In der Zeit, in der Sie zählte, hätte ich mit dem 86er einen Satz Reifen abfahren können, aber wir blieben geduldig. Der Schlafmangel jedoch forderte weiterhin seinen Tribut. So extrem, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben locker im Stehen, ohne an eine Wand zu lehnen, problemlos in die REM-Schlafphase hätte wechseln können. Irgendwann jedoch war alles save und wir machten uns vom Tee gestärkt auf den Rückweg. Nach Cambridge. Aber erster Weg: Tankstelle. Etwas, woran ich mich in dem Auto mittlerweile gewöhnen musste: Durst. Fünf mal Verfahren, drei mal falsch abgebogen; und die Tatsache, auf der englischen Autobahn mit Benzinmangel liegen zu bleiben, hätte uns an diesem katastrophalen Tag echt noch gefehlt, aber der 86er machte sich direkt mal beliebt und hielt die letzten 20 Minuten, bis wir die nächste Shell erreichten, durch. Dort der nächste Schock. Nein, nicht der Benzinpreis oder die halbstarke Dorfjugend, die sich um unsere Autos sammelten. Nein, der Schock kam am Tankdeckel: SuperPlus, 98 Oktan. Whaaaaaaat?? Fräulein, du bist ja gar nicht anspruchsvoll. Aber wie man weiß, ist es bei Autos wie bei Frauen: Die richtig geilen Schlucken halt ordentlich und sind anspruchsvoll. Also, was kostet die Welt? Einmal V-Power und vollmachen.

Dann ab zurück nach Cambridge. Wieder Baustellen Rodeo. Aber mittlerweile war es egal.

Wir waren beide so destilliert, nee, desolat, dass sogar der Funkverkehr, welchen wir die ganze Zeit mit dem Walkie-Talkie betrieben, aufgrund von Überlastung eingestellt wurde. Es war der Punkt erreicht, an dem man uns eine Krebserkrankung diagnostizieren konnte und es uns egal gewesen wäre. Alles, selbst Sterben wäre in dem Moment besser gewesen, als weiter mit dem Auto über britische Autobahnen zu fahren. Sterben fühlte sich an wie die bessere Alternative. Nächste Ausfahrt Cambridge. Drei mal links, ein Roundabout, dritte Ausfahrt und Hotel. Überwachter Parkplatz in UK. Ein Gefühl wie Geschlechtsverkehr in einem Slum in Zentralasien. Mit Kondom. Alles in allem einfach pure Sicherheit. Auto steht, Luft holen, einchecken. Beim Empfang ’nen Witz über Deutsche machen, lockert immer die Stimmung in England. Auto ausräumen, ab aufs Zimmer…. ein Bett.

 

 

 

Ich hätte in den letzten Stunden mein Erstgeborenes versprochen, wenn ich ein Bett bekommen hätte. Aber als wir da waren, naja was soll ich sagen: Übermüdet. Also gingen wir zum letzten Kampf an dem Tag über, unsere Körper ein letztes mal Quälen und ihn dazu zwingen, zu schlafen. Also runter ins Fitnessstudio bzw. Versuchslabor für Polarexpeditionen…. ne zu kalt. Egal, Schwimmbad, ab ins Wasser, müde machen. Funktionierte aber auch nicht.

Also musste die ultimative englische Geheimwaffe her: Fettiges Essen und blondes Malz-destillat, also Bier.

 

Rein ins Restaurant, natürlich standesgemäß gekleidet in Jogginghose und Pullover, wie es sich in einem 4-Sterne Laden gehört. Zwei Pint Bier und zwei mal Fish&Chips bei der äußerst attraktiven Kellnerin für den Preis eines gut erhaltenen deutschen Mittelklassewagens bestellt… und reingehauen. Ob die Kellnerin wirklich attraktiv war oder es wieder eine Halluzination des Schlafmangels war wie zwei Stunden vorher der Typ an der Tankstelle, der für mich zu 100 % Enrique Iglesias bei seinem Nebenjob war, kann ich euch nicht mehr sagen, aber es war uns egal. Generell wissen wir nur noch Bruchstücke von dem Abend. Das zweite Bier für jeden war unterwegs und die lang ersehnte Müdigkeit setzte ein. Das Pint wurde geleert und es ging aufs Zimmer. Der Schlaf rief. Und das WAR ein Schlaf. Es glich einer barmherzigen Ohnmacht, die so massiv war, dass wir in die Betten fielen und den Einschlag aufs Kopfkissen schon nicht mehr spürten.

Akt 4

The Long journey back……..

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Irgendwann war ich wieder wach. Unzählige Stunden nach dem Gefühl des Einschlags in mein Kopfkissen. Omg, wir leben wieder, erholt, wie neu geboren, neuer Tag, neues Glück. Voller Freude darauf, dass es heute besser werden würde und wir erholt und ausgeschlafen zu Hause ankommen werden, öffnete ich erstmal den Vorhang und siehe da, die Sonne schien….nicht.

 

Es hätte mir zu denken geben sollen, aber ich war weiter zuversichtlich. Auf zum Frühstücksbuffet. Manu aß für drei was angesichts des Preises absolut angebracht war und ich machte soweit oben im Norden meine erste Erfahrung mit „Marmite“. Generell bin ich ja ein großer Fan von britischer Küche. Nach dem Morgen jedoch weiß ich das „Marmite“ eigentlich dazu gedacht war, als Unkrautvernichtungsmittel im heimischen Garten zu dienen.

 

Koffer wieder packen, duschen, ab in die Autos und nach hause…. London calling und da war sie wieder….Dartford crossing. Aber diesmal war ich vorbereitet. Zielstrebig wie ein britischer Leibgardist beim Schichtwechsel vorm Buckingham Palace, habe ich am Vorabend dafür gesorgt, dass die Charge online von Deutschland aus von meiner britischen Konnekte bezahlt wurde. An der Stelle noch mal vielen Dank an Rosana und Barry für die Hilfe. Allerdings war dies eines der wenigen Dinge, die auf der Tour tatsächlich mal so funktionierten, wie sie sollten. Ansonsten kamen wir super durch. Beide Idioten, sowie beide Toyoten liefen wie ein Schweizer Uhrwerk, jedoch hatte das Schicksal kurz vor Dover die nächste Packung für uns Parat, wie ein leckerer Scone als Vorspeise auf das, was noch auf uns zukommen sollte.Autobahn/Vollsperrung. Ok, die Landstraßen von Kent sind auch schön und da wir eh noch bei SVA-Imports vorbei schauen wollten, bat sich

das an. Paar Evos und andere Leckereien aus Fernost fotografiert; war ganz nett.

 

 

Aber jetzt ab zum Hafen, jedoch vier Stunden zu früh. Naja, was solls. Wir fragen, ob wir früher fahren dürfen, und siehe da es ging…. und entgegen der heutigen Gepflogenheiten sogar ohne Aufpreis. Die vier Stunden Ersparnis, über die wir uns freuten, sollten uns noch bitterböse im Halse stecken bleiben. Die Fähre kam eine Stunde verspätet, weil Sturmwarnung. Egal, wir wollen zurück auf den Kahn und gut. Auf dem Passagierdeck angekommen, fielen mir sofort die weisen Worte eines gut gebildeteten tschechischen LKW-fahrers ein, den ich Jahre zuvor auf einer sehr asozialen Fährenfahrt von Dover nach Calais traf, der mir versicherte, solange der Außenbereich der Fähre geöffnet ist, ist alles halb so schlimm und sicher….und was war an diesem verregneten Tag, der vom Wetter her als Kulisse für einen echt guten Katastrophenfilm über Schiffshavarie hätte herhalten können….klar, das Außendeck war abgesperrt. Ich will nicht behaupten, dass ich ängstlich bin oder es in mir ein Gefühl von Unwohlsein ausgelöst hätte. Nein ich bin ehrlich zu euch: Mir wurde kotzschlecht. Um mich abzulenken, musste ich erstmal in den Souvenirshop etwas Geld ausgeben gehen und dort traf ich meinen neuen besten Freund Charles,

einen Teddybär mittleren Alters, britischer Landsmann aus gutem Hause, sehr vermögend, alleinstehend und geschieden. Nur so nebenbei, falls eine der lesenden Damen….

Zurück zum Thema. Die Uhr tickte weiter und der Kahn legte nicht ab. Durchsage kam, Abfahrt verzögert sich 15 Minuten, dann 20 ,dann 30. Eine Stunde später: Schiff kaputt, alles wieder ausladen. Es war schizophren: Einerseits hätte ich im Strahl die Wand hochkotzen können. Andererseits war ich froh als, wir aus dieser Todesfalle wieder raus waren. Wieder im Hafen auf dem Parkplatz waren unsere vier Stunden weg, aber im Leben ist es wie mit Bum-Bum-Eis von der Tankstelle: Das Beste, der leckere Kaugummi, ist unten. Rauf auf die nächste Fähre und ab durch Sturm und Wind. Wenigstens der Außenbereich war offen. Das beruhigte, auch wenn man es bei dem Wetter als grob fahrlässig bezeichnen konnte, war ich einfach froh drüber und hoffte weiterhin, das wir mit beiden Autos den europäischen Kontinent wieder am Stück erreichen werden. Manu pennte. Keine Ahnung, wie der Kerl das hinkriegt, aber der pennte….und ich lief auf und ab. Ja ich habe Löcher ins Schiff gelaufen. Zwei Stunden bei 8° Neigunswinkel nach allen Seiten,

 

was selbst die härteste Achterbahn aller Zeiten übertrumpfen würde, und wir erreichten wirklich wieder Calais. Jedoch neun Stunden hinter unserem Zeitplan und der alte Feind vorm Vortag meldete sich wieder. Die Müdigkeit, der alte Bastard. Wir zogen weiter gegen Osten.

Nochmal tanken, nochmal Pinkelpause, und die Augenlider wurden immer schwerer. So schwer wie ein japanischer Sumokämpfer, und als mich kurz vor Brüssel wieder die Halluzinationen plagten, und ich anstelle von Strasenschildern Mila Kunis beim Lapdance sah, wusste ich, der nächste Rastplatz gehört mir.

Also die erste Nacht IM neuen Auto, das schweißt zusammen, dachte ich. So kommt man sich auch näher, ihr kennt das ja, wenn man frisch zusammen ist. Ich dachte mir, dass eine Stunde schlafen reicht. Als der Wwcker klingelte dachte ich: Komm, noch eine Stunde Schlafen, das reicht. Danach klingelte der Wecker wieder und ich dachte: Komm nur noch ne Stunde schlafen, das reicht, usw und so fort. Um zwölf Uhr rief mal meine Mutter an ( Hallo Mama 🙂 ) und fragte, wo wir bleiben. Hätte mich die gute Frau da nicht angerufen, würden wir heute noch auf dem Parkplatz kurz vor Brüssel stehen.

Die fünf Stunden schlafen taten echt gut. Mila Kunis hatte ihre Schicht beendet und auch Terence Hill ist inzwischen nach Mexico geritten. Ich frage mich nur, ob Enrique mittlerweile abgelöst wurde…. aber ich kann mich nicht um alle kümmern. Also gings weiter. Nach Stunden, in denen wir Tonnen an Asphalt hinter uns ließen, erreichten wir das Herzogtum Luxemburg. Der letzte Tankstop und nur noch 30 Minuten bis nach Hause. Beide Toyoten wieder auffüllen, beide Idioten wieder was essen. Und ab auf „se german Autobahn“, um die uns die Welt so beneidet. Und endlich konnte ich dem Teil mal richtig in die Eier treten. Und ja, er macht genau den Spaß, den ich mir erhofft hatte. Autobahn ab, noch zwei Ortschaften und da waren wir. Am Stück, am Leben, und knapp 2000 Kilometer später. Es war bescheuert, es war krank und ihr könnt euch vorstellen, was wir als erstes machten, als wir zuhause waren….

Richtig, noch ne runde GT86 fahren :)…. Jetzt sind gut drei Wochen vergangen und ich sitze wieder hier für euch am Laptop und schmunzele über die Zeilen, die ich euch schreibe. Drei wochen, die ich nicht missen möchte und auch die Tour nicht. Ob es sich gelohnt hat? Auf jeden Fall. Empfehlen würde ich so eine Runde niemandem. Dazu muss man einfach als Kind einmal vom Wickeltisch gefallen oder mit dem Hammer gekämmt worden sein. Leider, oder zum Glück dank der politischen Situation in Europa wird es wohl die letzte Reise in mein geliebtes England gewesen sein, zumindest um ein Auto zu kaufen.

Für alles weitere….. naja das werden wir sehen

.

(Text/Helmut Laude-Altmayer)

(Fotos/Manuel Regitz)

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar